Demokratie direkt: Praktikum beim Europäischen Parlament

Praktikum beim Europäischen Parlament

Nun ist es wieder soweit: Für Dutzende Hochschulabsolventen fingen am 01. März fünf Monate Praktikum im Europäischen Parlament an, die für viele eine unvergessliche Erfahrung darstellen werden.

Praktika gehören mittlerweile zu jedem Lebenslauf und kaum ein Uni-Absolvent startet in sein Berufsleben ohne vorherige Praktika. So manche Karriere in den EU-Institutionen hat mit einem Praktikum begonnen, auch wenn eine Anstellung direkt im Anschluss in den meisten Fällen nicht möglich ist. Denn die Einstellungen bei den EU-Institutionen erfolgen über die sog. Auswahlverfahren.

Viele würden gerne länger bleiben, doch ist dies sehr schwer, da die Konkurrenz sehr groß ist. Dennoch sind sich die meisten Praktikanten einig, dass ein Praktikum im Europäischen Parlament "einen guten Start ins Berufsleben" erleichtert - wie die französische Praktikantin Camille Petitot Guerin meint, die derzeit ein fünfmonatiges Praktikum im Informationsbüro des Europäischen Parlaments in Berlin absolviert. Nebenbei "lernt man andere nette Praktikanten und Persönlichkeiten kennen und bekommt einen unvergleichbaren Eindruck von der Arbeit des Europäischen Parlaments", sagt der Praktikant Jochen Hung.

Im vergangenen Jahr haben sich über 4600 Hochschulabsolventen für ein bezahltes, fünfmonatiges Praktikum in der Parlamentsverwaltung in Brüssel oder Luxemburg beworben. Voraussetzung hierfür ist ein abgeschlossenes Studium. Von diesen konnte das Parlament nur 257 Bewerbern einen Platz anbieten. Wie viele Praktikanten angenommen werden, hängt immer von den vorhandenen Finanzmitteln und der Aufnahmekapazität der Dienststellen ab, d. h. wie viel Büroplatz sie haben und wie viele Praktikanten sie sinnvoll begleiten können.

Bei den bezahlten Praktika unterscheidet man zwischen:

  • Robert-Schuman Praktika mit allgemeiner Ausrichtung, die nur Personen erhalten, die eine Examensarbeit bzw. wissenschaftliche Veröffentlichung mit Bezug zur EU geschrieben haben
  • Robert-Schuman Praktika mit journalistischer Ausrichtung, für die die Bewerber journalistische Kompetenzen nachweisen müssen
  • Praktika im Sprachendienst, die diplomierten Übersetzern angeboten werden, die neben ihrer Muttersprache noch zwei weitere Amtssprachen der europäischen Gemeinschaft beherrschen.

Reisekosten werden allen Praktikantinnen und Praktikanten, die im Alter zwischen 18 und 35 Jahren zum Zeitpunkt der Bewerbung sein müssen, erstattet. Zudem erhalten bezahlte Praktikanten ein monatliches Entgelt von 1000 Euro.

Neben den bezahlten Praktika gibt es auch die Möglichkeit eines ein- bis viermonatigen unbezahlten Praktikums - Voraussetzung ist das Abitur. Gut 2700 junge Erwachsene haben sich für ein solches Praktikum im letzten Jahr beworben, von denen 128 eine Praktikantenstelle angeboten wurde. Priorität wird Bewerbern gegeben, für die im Rahmen ihres Studiums oder ihrer Ausbildung ein Praktikum vorgeschrieben ist. "Bezahlt oder unbezahlt ist eigentlich egal. Man lernt so viele neue Dinge, die nicht nur rein theoretisch sind - sodass man diese auch noch nach dem Praktikum, z. B. für sein Studium, nutzen kann", meint Kathrin Torka, die ein dreimonatiges unbezahltes Praktikum in Berlin macht.

Auch die EU-Kommission nimmt jährlich mehrere hundert Praktikanten auf. Ebenso kann man sich für ein Praktikum bei den Vertretungen der Kommission und des Europäischen Parlaments in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten oder einem Europa-Abgeordneten bewerben. Hierbei variieren die Anforderungen und Möglichkeiten. Erwartet werden in der Regel ein besonderes Interesse an Europapolitik, Engagement und Fremdsprachenkenntnisse. Besondere Praktika gibt es seit kurzem für Menschen mit Behinderungen



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