Donnerstag, 26. Januar 2012

Brustimplantate: PIP-Skandal als Chance für strengere Regeln

Hunderttausende Frauen weltweit leben in Sorge nach dem bekannt wurde, dass die französische Firma PIP Brustimplantate aus minderwertigem Industriesilikon anfertigen ließ. EU-Abgeordnete und Experten der EU-Kommission diskutierten am Dienstag im Umweltausschuss über strengere Kontrollen und eine Registrierungspflicht für einzelne Implantate. Das EU-Parlament hatte in den vergangenen Jahren mehrmals eine Gesetzesreform gefordert.

Brustimplantat der französischen 
Firma PIP
©BELGA/MAXPPP/D.Leriche 
Brustimplantat der französischen
Firma PIP
©BELGA/MAXPPP/D.Leriche

Bis zu einer halben Millionen Frauen weltweit leben mit den minderwertigen Silikonimplantaten des französischen Herstellers PIP. "Wir brauchen einen EU-weiten Ansatz, um mit diesem Skandal umzugehen", forderte die britische Sozialdemokratin Catherine Stihler, die das Thema als Berichterstatterin betreut. Bisher, erklärte Stihler, werden Brustimplantate nur von einer Richtlinie für medizinische Geräte abgedeckt, die derzeit von der EU-Kommission überarbeitet werde.

Ein erster Vorschlag der neuen Richtlinie soll im März vorgestellt werden. Die britische Sozialdemokratin Linda McAvan zeigte sich erfreut, dass die "Kommission damit schnell und ernsthaft umgeht". Viele betroffene Frauen seien nicht sicher, ob auch ihre Implantate gesundheitsschädigend seien. In Zukunft sei es daher sehr wichtig, jedes einzelne Brustimplantat identifizieren zu können.  

Auch müsse die EU besser mit internationalen Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten. Bereits vor einigen Jahren hatte beispielsweise die US-amerikanische Behörde für Arznei- und Lebensmittelsicherheit (FDA) auf Probleme mit Implantaten hingewiesen, diese Beanstandungen seien den EU-Behörden aber erst vor kurzem bekannt geworden.

Implantate immer problematisch

Der Skandal sei aber auch eine Chance, die bestehenden Regeln zu verschärfen, erklärte Stihler. Auch sollte es ein öffentlich zugängliches Register geben, in dem alle verwendeten Implantate identifizierbar sind. Frauen mit Implantaten wüssten dann, ob sie etwas unternehmen müssten oder nicht betroffen seien.

Hilfreich sei in Zukunft auch ein Versicherungssystem für Hersteller von Implantaten, um den aktuellen Haftpflichtstreit zu vermeiden. "Der Hersteller der schadhaften Implantate weigert sich, für ihren Austausch zu zahlen", sagte Stihler.

Der Ausschuss habe die dänische Ratspräsidentschaft gebeten, das Thema auch auf die Tagesordnung des nächsten EU-Gipfels zu setzen, der sich mit Gesundheitsthemen befasst.

"Ein Implantat hält nicht für ein ganzes Leben", warnte Stihler. Viele Frauen seien sich aber nicht bewusst, dass auch hochwertige Implantate irgendwann ausgetauscht werden müssen. Verantwortungsbewusste Hersteller müssten ihre Kunden auf diese wichtigen Details hinweisen.