Galileo: für 12 Satelliten fehlt noch die Finanzierung
2014 soll es soweit sein - bis dahin sollen 18 in Deutschland gebaute Satelliten für das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo im All sein. Dann könnten auch schon die ersten Basisdienste starten. Doch für den Aufbau des kompletten Systems fehlen dann noch weitere 12 Satelliten und momentan auch noch das dafür notwendige Geld. Die Industrie- und Forschungsfachleute des Europaparlaments ließen sich in der vergangen Woche von der Kommission über den Stand der Dinge unterrichten.
Für die Galileo-Aufbauphase stehen aus dem EU-Haushalt bis 2013 voraussichtlich 3,4 Mrd. Euro zur Verfügung, was für die ersten 18 Satelliten, aber nicht für den vollständigen Systemaufbau ausreichen dürfte.
Aus Sicht des Vorsitzenden des Industrieausschusses Herbert Reul (CDU) sind die noch zusätzlich notwendigen Investitionen aus politischer und wirtschaftlicher Sicht gut angelegtes Geld. "Es wäre ein Fehler, das Projekt auf halber Strecke aufzugeben, denn immer mehr Anwendungen in der Wirtschaft basieren auf weltraumgestützter Positionsbestimmung - im Verkehr, in der Landwirtschaft oder auch in der Bauwirtschaft. Das ganze Potenzial tritt gerade erst zutage."
Allerdings müsse die Kommission in Zukunft dafür Sorge tragen, dass die Budgets eingehalten werden und die Kosten nicht weiter explodieren, mahnt der CDU-Abgeordnete.
Was ist Galileo und was ist der erhoffte Nutzen?
Galileo soll einmal 30 Satelliten umfassen, die in einer Höhe von 24.000 Kilometern die gesamte Erdkugel abdecken. Jeder der Satelliten wird mit einer hochpräzisen Atomuhr ausgerüstet, die eine auf einen Meter genaue Standortbestimmung jedweden Objekts auf der Erde ermöglicht.
Satelliten lassen sich aus unserem Leben kaum noch wegdenken, auch wenn ihre Rolle nicht immer so offensichtlich und bekannt ist wie bei der Navigation im Straßenverkehr mit Hilfe eines GPS-Geräts im Auto. Auch für die Telekommunikation, Computer-Netzwerke, Luftfahrt, Schifffahrt, Finanztransfers und anders mehr spielt die Satelliten-Kommunikation eine wichtige Rolle. Zusätzliche Einsatzmöglichkeiten werden in der Landwirtschaft, beim Umweltschutz, im Rettungswesen, der Raumplanung und etwa bei der Unterstützung von Alzheimerpatienten und Sehbehinderten erwartet.
Die Schwächen des amerikanischen Global Positioning Systems
Zur Zeit gibt es weltweit zwei Satelliten-Navigationssysteme: das amerikanische Global Positioning System GPS und das russische System GLONASS. Beide wurden zur Zeit des Kalten Krieges zu militärischen Zwecken konzipiert.
GPS kann und wird zwar für zivile Zwecke verwendet. Es weist jedoch einige Nachteile auf, die Galileo nicht haben soll: Die Genauigkeit von GPS ist nicht immer zufriedenstellend. Regionen nahe der Pole werden nur unzureichend abgedeckt. Auch ist das Signal in dicht besiedelten Gebieten oft nicht ausreichend. Aufgrund des in erster Linie militärischen Charakters von GPS wird zudem befürchtet, dass die zivile Nutzung im Krisenfall nicht gewährleistet ist.
Der Plan für das Galileo-Projekt sieht drei Phasen vor:
1. Entwicklung und Tests
2. Aufbauphase (Produktion und Stationierung der Satelliten und Aufbau der Bodenstation)
3. Betriebsphase
Die vier Satelliten der Entwicklungsphase werden ebenso in Deutschland gebaut wie die ersten 14 Satelliten der Aufbauphase.
Nach den aktuellen Planungen der Kommission wird 2014 eine Konstellation von 18 Satelliten aufgebaut sein, auf deren Basis erste Dienste angeboten werden können.
Braucht man für Galileo neue Navis?
Mit den USA besteht seit 2004 ein Abkommen, das die Kompatibilität der Systeme sichern soll. Mit den Endgeräten können daher künftig sowohl GPS- als auch Galileo-Signale empfangen und verarbeitet werden können. Dies wird auch bei der nächsten GPS-Generation (ab 2015) der Fall sein.
Mit der Inbetriebnahme von Galileo können die Nutzer auf eine sehr große Anzahl an gleichzeitig örtlich verfügbaren Satelliten zurückgreifen, was die Navigation entscheidend verbessert, gerade auch in bisher schlecht abgedeckten Regionen wie in hohen nördlichen Breiten oder in Innenstädten.
Gegenüber GPS verfügt Galileo jedoch über entscheidende Vorteile: Wegen der europäischen Kontrolle des Systems wird es möglich, eine Verfügbarkeitsgarantie abzugeben. Dies ebnet den Weg für den Einsatz in sicherheitskritischen Bereichen wie der Luftfahrt.




















