Donnerstag, 8. Oktober 2009

Sacharowpreis 2009

Europa-Abgeordnete haben Vorauswahl getroffen

Der Palästinenser Izzeldin Abuelaish, der schwedisch-eritreische Autor und Journalist Dawit Isaak, die Bürgerrechtsorganisation "Memorial" sowie stellvertretend für sie die russischen Menschenrechtler Ljudmila Alexejewa, Oleg Orlow und Sergei Kowaljow stehen dieses Jahr in der engeren Auswahl für den Sacharow-Preis für geistige Freiheit. Die Vorauswahl trafen am Dienstag die Mitglieder des Außen- und des Entwicklungsausschusses.

Der palästinensische Frauenarzt Izzeldin Abuelaish macht sich für die Versöhnung von Israelis und Palästinensern und die Bildung von Frauen stark. Er verlor seine drei Töchter während der israelischen Bombardements des Gaza-Streifens im Januar 2009. Dies hat sein Engagement für Frieden und Versöhnung zwischen beiden Seiten jedoch nicht erschüttert. Zum Gedenken an seine Töchter möchte er eine Stiftung ins Leben rufen, die Mädchen und Frauen in der Region Bildungschancen eröffnet.

Der schwedische Journalist und Dramatiker eritreischen Ursprungs Dawit Isaak sitzt seit 2001 in Eritrea im Gefängnis. Er hatte sich gemeinsam mit anderen Journalisten sowie Politikern für eine unparteiische Aufklärung der Umstände eingesetzt, die zum Krieg Eritreas mit Äthiopien geführt haben. Den Journalisten wird Landesverrat und die Annahme von finanzieller Förderung aus dem Ausland vorgeworfen. Das Europäische Parlament hat in einer Resolution die sofortige Freilassung Isaaks gefordert, dem bisher noch nicht einmal der Prozess gemacht wurde.

Ljudmila Alexejewa, Oleg Orlow und Sergei Kowaljow wurden stellvertretend für die Bürgerrechtsorganisation Memorial und alle die sich in Russland für die Menschenrechte einsetzen nominiert. Memorial, zu deren Gründern Andrei Sacharow und Sergei Kowaljow gehörten, setzt sich seit Ende der 1980er Jahre für die Aufklärung der Verbrechen des Stalinismus sowie für dessen Opfer ein. Seit den 1990er Jahren engagiert sich Memorial gegen autoritäre Tendenzen in den post-sowjetischen Staaten und für die Entwicklung der freiheitlichen, demokratischen Bürgergesellschaft.

Der Sacharow-Preis wird seit 1988 alljährlich vom Europäischen Parlament an außergewöhnliche Persönlichkeiten verliehen, die sich mutig - und nicht selten zum eigenen Nachteil - gegen Intoleranz, Unfreiheit und Unrecht einsetzen. Im vergangenen Jahr wurde der inhaftierte chinesische Dissidente Hu Jia ausgezeichnet.

Die Entscheidung über den Preisträger fällt am 22. Oktober. Die Preisverleihung findet am 16. Dezember in Straßburg statt.