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Presse - Fotografen
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10-03-2017
Europäisches Parlament #IWD2017Wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen und Männern
Europäisches Parlament #IWD2017
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Wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen und Männern

Eine Debatte im Fishbowl-Format im Europäischen Haus Berlin - Rückblick

Anlässlich des Frauentags ging es bei der ersten Fish-Bowl-Debatte im Europäischen Haus am 10. März vor allem um die Gleichstellung der Geschlechter als Gewinn für alle.

Rund 80 Besucher waren der Einladung des Informationsbüros des Europäischen Parlaments in Berlin und des Grassroot-Thinktank für Außen- und Europapolitik Polis180 gefolgt und erlebten eine spannende Diskussion. In zwei Diskussionsrunden mit Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann und Arne Gericke, Mitglieder des Europäischen Parlaments, Gabriele Bischoff, Vorsitzende der Arbeitsnehmergruppe im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforums Männer ging es um das Thema „Wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen und Männern. Alles geregelt in Europa?“ Dabei hatten die Teilnehmer durch das Fish-Bowl-Format die Möglichkeit aktiv mitzudiskutieren.

„Die Gleichstellung der Geschlechter ist im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union und in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union verankert. Doch wie sieht die Realität in der Europäischen Union aus?“ Mit dieser durchaus kritischen Einstiegsfrage begrüßte Laila Wold vom Informationsbüro des Europäischen Parlaments die Podiumsgäste und Teilnehmer.

Die erste Runde der Diskussion, moderiert vom Autor und Publizisten Vincent-Immanuel Herr, drehte sich um das Thema Gleichstellung als Gewinn für alle. Ausgangspunkt der Diskussion waren die Äußerungen eines polnischen Abgeordneten Anfang März im Europäischen Parlament: „Der Kollege wird, weil er mit seinen despektierlichen Äußerungen die Geschäftsordnung verletzt hat, eine Geldstrafe bekommen. Es liegt nicht nur an Menschen wie ihm, dass Gleichstellung weiterhin ein Kampf ist, für den man streiten muss“, sagte Sylvia Kaufmann. Gabriele Bischoff ergänzte, dass Gleichstellung auch immer eine Verteilungs- und damit Machtfrage sei: „Es ist wichtig, Gleichstellungspolitik nicht nur als Frauenpolitik zu diskutieren. Es ist eine kulturelle Frage von Werten, Gepflogenheiten und Arbeitsweisen“, sagte Bischoff. Alle Analysen zeigen, dass Frauen weniger Verdienst und Rente erhalten als Männer - die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau sei noch lange nicht erreicht, es gäbe eine Feminisierung von Armut: „Bei den fünf Szenarien zum Weißbuch, die Kommissionspräsident Juncker vorgestellt hat, gibt es mehr Szenarien, in denen Gleichstellungspolitik nicht vorkommt, als solche, in denen es vorkommt“, merkte Bischoff an. In der Diskussion wurde außerdem darauf hingewiesen, dass vielseitig aufgestellte Teams besser arbeiten und das „Teilzeitmodell für alle“ nicht verteufelt werden solle.

Arne Gericke sprach in der zweiten Runde des Fish-Bowl vor allem über die Ursachen der Ungleichstellung: „Frauen bekommen im Schnitt 20 Prozent und Mütter sogar 40 Prozent weniger Rente als Männer“, sagte er. Er plädierte für familienfreundlichere Modelle und neue Termini: Man dürfe nicht mehr von Eltern- oder Mutterschaftsurlaub sprechen, weil dies nichts mit Urlaub zu tun habe. Gleichstellungspolitik sei eine sehr unbequeme Politik, bei der an den großen Schrauben gedreht werden müsse. Dazu gehöre auch geschlechterreflektierte Arbeit mit Kindern und ein Hinterfragen der Bilder, mit denen unsere Kinder konfrontiert werden.

Gutverdiener sind zu 60-80 Prozent Männer, wohingegen Geringverdiener zu 80-90 Prozent Frauen sind. Das empfinden wohl auch viele junge Männer als ungerecht und unterstützen Gleichberechtigung - gleichwohl gingen sie nicht zu Veranstaltungen wie diesen, so der Konsens des Publikums. Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforums Männer hat dafür einen ersten Erklärungsansatz: „Für viele Männer war der Sprung von der Gleichstellung als einem mehr frauenpolitischen Thema zu einem allgemeinen Thema schwierig, weil sie sich nicht aktiviert fühlen, sich neben den vielen anderen Dingen auch dafür einzusetzen.“ Zudem ginge es natürlich auch immer um die eigenen unhinterfragten Privilegien, merkte er an. Der aktuelle Gesetzesentwurf aus Island, der die gleiche Bezahlung der Geschlechter regelt, mache allerdings Hoffnung.

Fotos: Bernhard Ludewig